Patienten-Infos

An dieser Stelle möchten wir Sie über wesentliche Organsysteme und Krankheitsbilder der Urologie informieren. Endokrinologische und andrologische Erkrankungen sind dabei aufgrund der Vielfältigkeit noch nicht berücksichtigt.

Obwohl die Urologen nur 2 % der Fachärzte ausmachen, finden sich 25 % aller Krebserkrankungen in diesem Fachgebiet. So stellt das Prostata-Karzinom den häufigsten bösartigen Tumor des erwachsenen, das Hoden-Karzinom des jungen Mannes dar. Nieren- und Harnblasen-Malignome erfahren in den letzten Jahren eine signifikante Zunahme, wohingegen das Penis-Karzinom ein weiterhin seltener Tumor ist.

Der Krebsfrüherkennungsuntersuchung kommt in der Detektion bösartiger Erkrankungen eine wesentliche Rolle zu. Sie wird allen Männern ab dem vollendeten 45. Lebensjahr einmal jährlich als Kassenleistung angeboten. Leider beschränkt sich das Leistungsangebot der GKV auf eine rein körperliche Untersuchung. Ultraschall-, Urin- und Blutlabor zur Vervollständigung sind eine kostenpflichtige Leistung.

Eine zentrale Bedeutung in der Urologie wird der Prostata (=Vorsteherdrüse) zuteil. Sie liegt beim Mann unterhalb der Harnblase und umfasst ringförmig den Anfangsteil der Harnröhre bis zum Schließmuskel, der im Beckenboden fixiert ist. Die Prostata hat die Aufgabe, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren, die beim Orgasmus über Muskelaktivität in die Harnröhre ausgestoßen wird. Insgesamt besteht die Samenflüssigkeit aus den in den Hoden gebildeten Spermien und Sekreten der Prostata, kleiner Harnröhrendrüsen und der Samenbläschen, die seitlich der Prostata wie Ohren angebracht sind.

Die Prostata eines 40jährigen Mannes weist in etwa die Größe einer Kastanie auf. Mit zunehmendem Alter beginnt sie aufgrund hormoneller Veränderungen zu wachsen. Dies kann durch genetische Faktoren, Ernährung etc. noch verstärkt werden. Bei einer Volumenzunahme mit Einschnürung des Blasenhalses und Anfangsteils der Harnröhre können Beschwerden beim Wasserlassen, wie erschwerte oder verzögerte Harnentleerung, häufiger Harndrang, Restharngefühl und als maximale Komplikation die Harnsperre mit Rückstau des Urins in die Nieren resultieren. Dieses zumeist gutartige Krankheitsbild (=Benigne Prostatahyperplasie) kann durch Medikamente oder verschiedene Operationsverfahren gebessert oder sogar behoben werden.

Der häufigste bösartige Tumor des erwachsenen Mannes jenseits des 45. Lebensjahres stellt das Prostata-Karzinom dar. Jährlich erkranken hieran in Deutschland gut 40.000 Männer bei rund 11.000 tumorbedingten Sterbefällen im Jahr. Das Prostata-Karzinom weist anfangs keinerlei Beschwerden auf und ist auch unabhängig von der Prostatagröße. Deshalb sollte das Angebot der Krankenkassen einer jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung regelmäßig genutzt werden.

Bei dieser Vorsorgeuntersuchung untersucht der Urologe die Prostata mit dem Finger vom Enddarm (scherzhaft gern „Hamburger Hafenrundfahrt“ genannt). Die Kapsel der Vorsteherdrüse liegt dem Darm unmittelbar an. Knotige Strukturen an der Oberfläche, Unterschiede in der Gewebefestigkeit, Asymmetrien oder eine Fixierung des Darms an der Prostata können Zeichen eines bösartigen Tumorgeschehens sein.

Eine zusätzliche Information zur Befindlichkeit der Prostata kann der Urologe über eine Blutentnahme zur Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA) gewinnen. Dieses Eiweißmolekül wird fast ausschließlich von der Prostata gebildet und ist meistens größenabhängig. Aus millionenfacher Bestimmung sind die Normalwerte für Männer unterschiedlicher Altersgruppen und unterschiedlicher Prostatavolumina gut bekannt.

Da der Prostatakrebs aufgrund einer vermehrten Stoffwechselaktivität auch vermehrt PSA bildet, kann ein Missverhältnis von Messwert, Alter und Prostatagröße auf ein Karzinom hinweisen. Alternativ kann aber auch ein entzündlicher Prozess oder die gutartige Prostatavergrößerung für die Werterhöhung verantwortlich sein.

Zur Unterscheidung sollte dann eine Gewebeprobeentnahme vorgenommen werden. Dies ist ein kleiner ambulanter Eingriff, bei dem ultraschallgesteuert Gewebeproben aus der Vorsteherdrüse über den Enddarm gewonnen werden. Bei frühzeitigem Nachweis des auf die Prostata beschränkten Karzinoms stehen unterschiedliche kurative (=heilende) Therapieoptionen wie Operation oder Bestrahlung zur Verfügung.

Leider übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen (=GKV) lediglich die Tastuntersuchung der Prostata im Rahmen der Vorsorge. Die Bestimmung des PSA und auch Ultraschalluntersuchungen der Vorsteherdrüse stellen sogenannte „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (=IGeL) dar, müssen also privat bezahlt werden (Kostenfaktor derzeit knapp 50 €).

Nichtsdestotrotz gilt:
Auch eine „abgespeckte, GKV-finanzierte“ Vorsorgeuntersuchung ist besser als gar keine Krebsfrüherkennungsuntersuchung“!

Die Harnblase ist ein reines Speicherorgan für den Urin. Die häufigsten Erkrankungen stellen vornehmlich bakterielle Entzündungen da, die zumeist mit verstärktem Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und/oder erschwertem Halten sowie Entleeren des Urins verbunden sind. Durch den Entzündungsreiz kann der Urin mitunter auch blutig verfärbt sein. Eine antibiotische Behandlung ist Therapie der Wahl.

Desweiteren sind Inkontinenzbeschwerden sehr verbreitet. Sie stellen unkontrollierte Urin-verluste zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort da. Sie können durch erhöhten Bauchinnendruck beim Husten, Lachen, Niesen, Heben schwerer Lasten, Aufrichten oder sonstiger körperlicher Anstrengung auftreten und werden dann Belastungs- oder Stressinkontinenz genannt. Die Drang- oder Urgeinkontinenz ist durch den überstürzten Harndrang charakterisiert, der es oftmals nicht zulässt, rechtzeitig die Toilette aufzusuchen. Hier ist eine Überak-tivität der Blasenmuskelzellen ursächlich. Weitere Inkontinenzerscheinungen können durch nervenschädigende Erkrankungen entstehen und werden dann Reflexinkontinenz genannt. Eine weitere Form des unkontrollierten Urinverlustes stellt die Überlaufinkontinenz dar. Hierbei ist die Harnblase wie ein Weinfass kräftig gefüllt, und es wird nur der Urin verloren, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Die meisten Inkontinenzbeschwerden nehmen mit dem Alter überproportional zu. Ein wenig schmeichelhafter Leitsatz lautet: „Der Mensch kommt inkontinent auf die Welt und geht inkontinent von der Welt“. Dennoch gibt es gute Therapiemöglichkeiten, vorausgesetzt, die richtige Form der Inkontinenz wird erkannt und behandelt. Mitunter bleibt aber nur die Ver-ordnung von Inkontinenzhilfsmitteln als Option zur Besserung der Lebensqualität.

Krebserkrankungen der Harnblase haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Eine mögliche Ursache ist der Nikotin-Konsum. Aber auch der mehrjährige berufliche Umgang mit sogenannten „aromatischen Aminen“ kann den Krebs entstehen lassen. Bevorzugte Berufsgruppen sind Beschäftigte in der gummiverarbeitenden, Mineralöl- und Textil-Industrie, Arbeiter im Straßenbau sowie Friseure. Auch können immer wiederkehrende Blasenentzündungen krebsfördernd sein.

Das häufigste Symptom des Blasen-Karzinoms ist die schmerzlose Entleerung blutigen Urins. Aber auch ein ständiger oder verstärkter Harndrang kann auf eine Krebserkrankung der Harnblase hindeuten. Glücklicherweise werden die meisten bösartigen Tumoren zu einem Zeitpunkt entdeckt, zu dem sie oberflächlich auf der Blasenschleimhaut gewachsen sind. Sie können dann durch einen endoskopischen Eingriff entfernt werden, benötigen aber anschließend zumeist lebenslange Kontrolluntersuchungen. Bei Harnblasen-Karzinomen, die tiefer in die Blasenwand bzw. Muskulatur der Harnblase hineingewachsen sind, muss diese komplett operativ entfernt werden. Es gibt dann aber mehrere Möglichkeiten einer Ersatzblasenbildung.

Die Nieren sind ein komplexes Organsystem. Mit ihrer Harnproduktion über Filtersysteme leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Entgiftung des Körpers. Zudem sind sie ein Regulator des Blutdrucks und haben Aufgaben im Prozess der Blutbildung. Eine Funktionslosigkeit der Nieren hätte eine regelmäßige Blutwäsche (=Dialyse) zur Folge und könnte diese nur durch eine Nieren-Transplantation ersetzen.

Entzündungen der Niere(n) entstehen oftmals als aufsteigende Infektionen der unteren Harnwege, können durchaus aber auch durch Zug oder Kälte ausgelöst werden. Auch abflussgestörter Urin durch Harnleiterstein, Harnverhaltung etc. kann eine Infektion verursachen. Flankenschmerzen sind ein wesentliches Symptom, nicht selten bestehen zudem Fieber und eine allgemeine Abgeschlagenheit. Unbehandelte oder verschleppte Infektionen können zu einer Blutvergiftung führen, die gar nicht selten einen tödlichen Verlauf nimmt.

Eine sehr schmerzhafte Erkrankung der Nieren kann durch Harnsteine verursacht werden. Deren Bildungsorte sind zumeist die Nieren selbst. Wenn dann ein Stein aus dem weiten Nierenhohlsystem in den sehr engen Harnleiter - der Verbindung von Nieren zur Harnblase - abgeht, entsteht ein Abflusshindernis mit Harnrückstau, der die typischen Nierenkoliken auslöst. Die meisten Harnsteine sind kaum stecknadelkopfgroß und gehen spontan ab. Sollte aber ein Harnaufstau länger existent sein und wiederkehrende Beschwerden verursachen, ist eine endoskopische Harnleiterschienen-Einlage Therapie der Wahl. Diese Schienen sind innen hohl und außen perforiert, so dass bei regelrechter Platzierung der gestaute Urin abfließen kann. Zudem gelingt es oftmals, den Harnleiterstein in das Nierenhohlsystem zurückzuschieben. Dort kann er dann in einem späteren Eingriff entweder endoskopisch oder von außen via Stoßwellenzertrümmerung (=ESWL) verkleinert werden. Die verbliebenen Steinkrümel werden endoskopisch entfernt oder müssen nach der ESWL mit dem Urin ausgeschieden werden.

Natürlich gibt es auch bösartige Erkrankungen der Nieren. Das Nierenzell-Karzinom macht anfänglich keinerlei Beschwerden und wird oftmals als Zufallsbefund einer sonographischen oder radiologischen Untersuchung erhoben. Sollte der von der Nierenrinde ausgehende Krebs in das Nierenhohlsystem einbrechen, könnten auch Blutbeimengungen zum Urin ein Hinweiszeichen sein. Kleine Tumoren können zumeist organerhaltend als sogenannte Teil-Resektion entfernt werden. Größere Tumoren machen die vollständige Organentfernung er-forderlich. Die verbliebene gesunde Niere kann den Funktionsausfall in den allermeisten Fällen gut kompensieren, ohne dass eine Blutwäsche erforderlich ist.

Die Hoden haben als sogenannte Keimdrüsen die Aufgabe der Spermien- und Hormonpro-duktion. Bösartige Veränderungen der Hoden stellen die häufigste Krebserkrankung des jungen Mannes mit einem Altersbereich zwischen dem 16. und 35. Lebensjahr dar. Zumeist ist dann eine derbe Gewebsvermehrung am Hoden tastbar. Diese muss nicht unbedingt Schmerzen verursachen. Eine operative Entfernung ist umgehend erforderlich. Die Heilungsrate beträgt dabei erfreulicherweise über 90 %.

Natürlich gehen nicht alle getasteten Veränderungen oder verursachten Schmerzen auf einen Hodenkrebs zurück. Deutlich häufiger sind gutartige Erkrankungsbilder, die auf Entzündungen des Hodens oder Nebenhodens gründen. Auch gibt es benigne Raumforderungen im oder um den Hoden herum wie Krampfader- oder Wasserbrüche (=Variko- oder Hydrozele) sowie Wasserzysten (=Spermatozele). Zudem können Verdrehungen von Hoden und Samensträngen (=Torsion) äußerst schmerzhaft sein und sollten schnellstmöglich erkannt und behandelt werden. Eine Torsion führt zu einer Sauerstoff-Minderversorgung des betroffenen Hodens, der nach vier Stunden ohne ausreichende Sauerstoff-Versorgung irreparable Schäden erfahren kann.